Das Fach Lateinische Philologie

Latein war die westeuropäische Kommunikationssprache vom 3. Jh. v. Chr. bis ins 19. Jh. hinein. Unser Fach, die lateinische Philologie, beschäftigt sich mit der ganzen Breite der schriftlichen Produktion in lateinischer Sprache. Im Zentrum von Forschung und Lehre steht dabei die römische Literatur von den Anfängen bis zum Ausklang der Spätantike ca. im 6. Jh.n.Chr.; daneben wird auch ihr Fortwirken in Mittelalter, Renaissance und insbesondere früher Neuzeit untersucht.

Der Literaturbegriff der Klassischen Philologie - also der Latinistik und Gräzistik - ist breit: Er umfasst Dichtung, Geschichtsschreibung, Philosophie, Rhetorik, Briefliteratur und erzählende Prosa ebenso wie etwa Gebrauchstexte und Fachschriftstellerei, die an unserem Institut ein Spezialgebiet bildet.

Eine Besonderheit der Klassischen Philologie im Vergleich zu anderen Literaturwissenschaften liegt in der Überlieferungslage und der großen zeitlichen Distanz ihres Gegenstandes. Die Texte, die uns beschäftigen, sind Jahrhunderte lang über zahlreiche Stationen handschriftlich tradiert worden; vieles ist dabei verloren gegangen oder nur noch fragmentarisch erhalten. Die erste Aufgabe des Klassischen Philologen besteht folglich in der Rekonstruktion eines möglichst umfassend gesicherten Textes. Hierfür sind fundierte Sprach- und Lektürekenntnisse erforderlich.

In einem zweiten Schritt muss der Text in seinem spezifischen kulturellen und historischen Kontext gesehen werden: Die griechische Literatur hat der römischen fast durchweg als Vorbild und Herausforderung gedient, so dass zum Verständnis lateinischer Literatur auch Kenntnisse der griechischen Sprache und Literatur nötig sind. Außerdem ist eine intensive Beschäftigung mit den Nachbardisziplinen, vor allem der Archäologie und der Alten Geschichte erforderlich. An der Universität Rostock ist dieser Bezug durch die gemeinsame Organisation der Latinistik, Gräzistik, Archäologie und Alten Geschichte im Institut für Altertumswissenschaften, durch gemeinsame Exkursionen und interdisziplinäre Lehrveranstaltungen besonders eng.