Vortrag von Adam Cieśliński (Universität Warschau): Zur Genese der Eisenmetallurgie im östlichen Mitteleuropa: Neue Daten aus dem Masowischen Metallurgiezentrum (Zentralpolen)

Das sogenannte Masowische Metallurgiezentrum stellt eines der bedeutendsten Zentren der großskaligen Eisenproduktion im barbarischen Europa der vorrömischen Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit (4. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.) dar. Es liegt im westlichen Masowien (Zentralpolen) und umfasst derzeit über 250 archäologische Fundstellen, die bislang überwiegend mit der Przeworsk-Kultur in Verbindung gebracht wurden. Im Rahmen des Forschungsprojekts Terra Ferrifera, durchgeführt von der Universität Warschau sowie dem Museum für frühgeschichtliche Metallurgie
Masowiens in Pruszków, werden Landschaft, Siedlungsstruktur und Umweltbedingungen der Eisenproduktion in dieser Region neu untersucht. Methodisch kommen dabei raumbezogene Analysen, Prospektionen, Ausgrabungen sowie archäobotanische Untersuchungen zum Einsatz, die detaillierte Einblicke in die Funktionsweise einzelner Mikroregionen ermöglichen. Die Ergebnisse der Radiokarbondatierungen weisen darauf hin, dass die Anfänge der Eisenproduktion in Masowien mindestens ein Jahrhundert früher anzusetzen sind als bislang angenommen. Zudem deuten sie auf eine genetische und kulturchronologische Verbindung mit der Population aus dem jütischen Halbinsel. Damit wird der Beitrag dieser nordwestlichen kulturellen Strömung zur Verbreitung der Eisenmetallurgie im Weichselraum deutlich höher eingeschätzt als jener der keltischen Gruppen Südpolens.


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