Führungen durch die Archäologischen Sammlungen
Haben Sie Interesse an einer Führung durch die Archäologische Sammlung der Universität Rostock? Dann melden Sie sich gerne per E-Mail bei Christian Russenberger.
Nach Absprache bieten wir auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten sehr gerne Führungen durch die Originalsammlung an der Schwaanschen Straße 3 oder durch die Sammlung von Gipsabgüssen nach antiken Skulpturen an der Kröpeliner Straße 57 an.
AG Schule und Museum
Das Heinrich-Schliemann-Institut der Universität Rostock präsentiert an zwei Standorten eine umfangreiche archäologische Sammlung mit originalen Fundstücken aus dem Mittelmeerraum und mit Gipsabgüssen nach antiken Skulpturen.
Im Rahmen von Führungen und Workshops der Arbeitsgemeinschaft ‚Schule und Museum’ vermitteln Studierende anhand von Objekten der Sammlung Wissen zu den antiken Kulturen und zur Bedeutung materieller Quellen für die Rekonstruktion historischer Zusammenhänge. Im Rahmen der Führungen erkunden die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Studierenden die Dauerausstellungen der Archäologischen Sammlung. In den Workshops steht die Auseinandersetzung mit einzelnen originalen Objekten im Zentrum. Es besteht das Ziel, den Schülerinnen und Schülern einen leichten Zugang zu den klassischen antiken Kulturen zu eröffnen und sie zur Entwicklung eigener kulturhistorischer Fragestellungen zu animieren.
Das Projekt ‚AG Schule und Museum’ wurde 2012 von Jutta Fischer, der damaligen Kustodin der Archäologischen Sammlung, zusammen mit Studierenden des Heinrich Schliemann-Instituts initiiert. Die Konzeption der Führungen und Workshops erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Lehrkräften sowie mit Schülerinnen und Schülern der CJD Christophorusschule in Rostock.
Das Programm umfasst gegenwärtig drei Führungen und zwei Workshops sowie zwei Workshops mit Führung. In Absprache mit dem Lehrpersonal können die jeweiligen Führungen und Workshops individuell auf die Klassenstufe und den Lehrstoff zugeschnitten werden. Für alternative Themenvorschläge oder kurzfristige Kooperationen zur Erschließung neuer inhaltlicher Aspekte sind wir jederzeit offen.
Die Workshops können vor Ort in Räumlichkeiten der Universität oder alternativ an der Schule im Klassenzimmer durchgeführt werden.
Die Vorbereitung und das Abhalten der Workshops und Führungen durch die Studierenden erfolgen ehrenamtlich. Um die Studierenden für ihren Aufwand entschädigen zu können, verlangen wir 2 € pro Teilnehmer*in (bei einem Mindestbetrag pro Veranstaltung in Höhe von 30 €) sowie bei Workshops an Schulen die Übernahme von eventuell anfallenden Fahrtkosten. – Ein allfälliger Gewinn aus den Tätigkeiten der AG ‚Schule und Museum’ wird als Spende an die Vereinigung ‚Rostocker Freunde der Altertumswissenschaften’ überwiesen und für die Restaurierung und Neuanschaffung von Abgüssen eingesetzt.
Bei Interesse an unserem Angebot schreiben Sie gerne eine E-Mail an archaeologische-sammlunguni-rostockde.
Die Führungen und Workshops der AG ‚Schule und Museum’
Die alten Ägypter glaubten, dass sie nach dem Tod wie der Totengott Osiris auferstehen und in verwandelter Form im Jenseits fortleben würden. In ihrem Streben nach ewigem Leben entwickelten sie ein komplexes Bestattungsritual, bei dem die Mumifizierung eine zentrale Rolle spielte. Anhand von bunt bemalten Mumiensärgen und verschiedenen weiteren Originalobjekten aus dem ägyptischen Wüstensand werden in der Führung wichtige Aspekte des Umgangs mit den Verstorbenen thematisiert. Auch eine Hundemumie, mehrere Steingefäße für die Aufbewahrung von Eingeweiden (Kanopen) oder das lebensnahe Porträtgemälde eines Knaben, der in römischer Zeit in einem Mumiensarg beigesetzt wurde, gehören zu den anschaulichen Relikten des ägyptischen Totenkults, die in der Archäologischen Sammlung ausgestellt sind.
Das Wirken von Gottheiten wie Aphrodite und spannende Erzählungen von sagenhaften Helden wie Herakles waren für die Menschen im antiken Griechenland ein wichtiger Bestandteil der Lebenswelt. Viele der damals geläufigen Mythen sind in Texten, aber auch in Form von bildlichen Darstellungen überliefert. Dank ihres offenen Umgangs mit grundlegenden Problemen des menschlichen Zusammenlebens bleiben sie aktuell und wirken auch in unserer Kultur in vielen Bereichen nach. In der Führung durch die Abguss-Sammlung erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Studierenden der Altertumswissenschaften der Universität Rostock wichtige Aspekte der kultischen Verehrung und der Darstellungsweise der griechischen Götter und Heroen.
Die römischen Kaiser (Führung, 45 min)
Für die römischen Kaiser waren Porträts aus Marmor und Bronze ein besonders wichtiges Medium für die Vermittlung politischer und ideologischer Botschaften. Die Führung durch die umfangreiche Sammlung von Abgüssen nach antiken Bildnissen bietet Gelegenheit, den gesellschaftlichen Voraussetzungen und Bedingtheiten der ‚Imagekampagnen’ römischer Kaiser und Kaiserinnen zwischen Selbststilisierung und Anbiederung, Innovation und Konventionalität nachzugehen. Unter der Anleitung von Studierenden der Altertumswissenschaften der Universität Rostock gehen die Schülerinnen und Schüler einem ganzen Bündel von Fragen zur Darstellung verschiedener Kaiser nach. Wieso tritt Augustus als Feldherr barfuß auf? Und was soll der Delphin zu seinen Füßen? Weshalb sah Vespasian mit 60 schon aus wie ein Greis, während sein Vorgänger Augustus noch mit 75 daherkam, als stünde sein 30. Geburtstag erst noch bevor? Aus welchem Grund bestand Nero darauf, mit Dauerwelle und deutlich verfettetem Gesicht dargestellt zu werden? Entsprach die Frisur seiner Mutter Agrippina wirklich dem aktuellen Modetrend? Und wieso tragen die Kaiser seit Hadrian plötzlich alle einen Bart? Durch die Vermittlung eines plastischen Bildes der römischen Antike eröffnet die Führung einen leichten und spielerischen Zugang zu dieser grundlegenden Epoche der europäischen Geschichte.
Nur ein Haufen Scherben? – Die Keramik der Griechen und Römer (Workshop, 90 min)
In den antiken Kulturen waren Keramikgefäße allgegenwärtig. Da gebrannter Ton sehr beständig ist und in der Erde auch über Jahrtausende hinweg gut erhalten bleibt, bilden Gefäßscherben die häufigste Fundgattung archäologischer Ausgrabungen. Mit ihren vielfältigen Formen und ihren oft figürlichen Dekorationen sind sie nicht nur für die Datierung von Grabungsbefunden wichtig. Sie sind auch eine besonders aussagekräftige Quelle für die Erforschung zentraler Aspekte griechischer und römischer Lebenswelten. In dem Workshop werden grundlegende Kenntnisse zu den Herstellungsprozessen antiker Keramikgefäße und zu den Funktionen in ihrem jeweiligen Benutzungskontext vermittelt. Darüber hinaus erhalten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, originale Fragmente antiker Keramikgefäße selbständig zu untersuchen.
Die Münzen der Römer (Workshop, 90 min)
Aus der römischen Antike sind Münzen millionenfach erhalten geblieben. Aurei aus Gold, Denare aus Silber sowie Sesterze und andere kleinere Nominale aus verschiedenen Kupferlegierungen spielten für das Funktionieren der römischen Wirtschaft eine wichtige Rolle. Mit ihren umfangreichen Textlegenden und den sehr zahlreichen, sich ständig verändernden Bildmotiven sind sie aber auch ein sehr reichhaltiges Quellenmaterial für die Beantwortung von kultur-, sozial- und religionsgeschichtlichen Fragen. Der Workshop bietet zunächst eine kleine Einführung in die antike Münzkunde. Auf dieser Grundlage haben die Schülerinnen und Schüler dann Gelegenheit, sich selbständig in kleinen Gruppen mit originalen römischen Münzen aus den Beständen der Archäologischen Sammlung zu beschäftigen. Zu den Aufgaben gehört die Vermessung der einzelnen Münzen und die beschreibende Erfassung der darauf erkennbaren Text- und Bildelemente. Auf dieser Grundlage wird in der Veranstaltung gemeinsam die Frage erörtert, welche Bedeutung die Legenden und die Bildmotive hatten und inwiefern sie für die Klärung von historischen Fragestellungen von Interesse sein können.
In vielen griechischen Heiligtümern wurden Terrakottastatuetten in großer Zahl als Weihegaben an die Götter abgelegt. Das Herstellungsverfahren der Statuetten war relativ einfach und wenig kostspielig. Die kleinen Tonfiguren wurden in großer Stückzahl aus Formen gewonnen, im Töpferofen gebrannt und danach oft bunt bemalt. Besonders häufig stellen die Terrakotten junge Frauen mit Opfergaben dar. Das reiche Motivrepertoire umfasst aber auch viele andere Figuren wie Heroen und Götter oder Schauspieler. Anhand von originalen Fundobjekten werden in dem Workshop die Herstellungstechniken und vor allem auch die Funktionen der Terrakotten im Zusammenhang der Kommunikation zwischen Mensch und Gottheit in den griechischen Heiligtümern, darüber hinaus aber auch in Grabkontexten, thematisiert.
Was trugen Männer und Frauen im antiken Griechenland und im antiken Rom? Womit wurden die Stoffe hergestellt und wie wurden sie gefärbt? Trugen die Griechen eine Unterhose unter ihrem Chiton? War das Ankleiden der römischen Toga wirklich so kompliziert? Und wie fühlt es sich an, wenn man sich in dieser ‚Nationaltracht’ der Römer über das Forum bewegte? Der Workshop vermittelt auf greifbare Weise grundlegende Kenntnisse zur Herstellung und Funktion antiker Kleidung. Die verschiedenen Bekleidungsformen der Griechen und Römer werden an Statuen in der Abguss-Sammlung erläutert. Anschließend können die Schülerinnen und Schüler das Anlegen griechischer und römischer Gewänder anhand von Nachbildungen verschiedener antiker Kleidungsstücke selbständig ausprobieren.





