Die Oktober-Exkursion

Die alljährliche Oktober-Exkursion ist ein Angebot zum Kennenlernen außerschulischer Lernorte und zur Vertiefung der Studieninhalte: Bis zu 15 Studierende und einige Lehrkräfte der Latinistik und Gräzistik besuchen gemeinsam altertumswissenschaftliche Ausstellungen. Hierzu sind insbesondere alle Erstsemester herzlich eingeladen, denn die Exkursionen sind nicht nur lehrreich, sondern dienen auch dem besseren gegenseitigen Kennenlernen.

Exkursion nach Trier und ins Moselland (6.-11.10.2025)

2025 fiel die Oktober-Exkursion besonders groß aus, denn sie führte eine Woche lang in die Hauptstadt des römischen Reiches – nach Trier. Ja: Trier! Denn Treveris an der Mosel im äußersten Westen des heutigen Deutschlands war im dritten und vierten Jahrhundert immer wieder wichtiger Stützpunkt römischer Kaiser und zwischen 367 und 390 n. Chr. ganz offiziell Hauptresidenz des Römischen Reiches. Das sieht man der Stadt und ihrem Umland bis heute an: Kaiserthermen, Konstantinsbasilika, ein Amphitheater, prächtige Mosaikfußböden und der imposante Dom St. Peter, der auf eine spätantike Doppelkirche zurückgeht, prägen das Stadtbild. 

Eben dorthin reisten 13 Rostocker und 5 Potsdamer Latein- und Griechisch-Studierende auf gemeinsamer Exkursion, organisiert von den beiden Klassischen Philologinnen Prof. Dr. Nicola Hömke (Rostock) und Prof. Dr. Katharina Wesselmann (Potsdam), unterstützt von weiteren Mitarbeitern beider Lehrstühle. Für viele Studierende war es das erste Mal, dass sie den Boden des ehemaligen römischen Reiches betraten; doch beide Teams hatten sich durch Lehrveranstaltungen, Referate und einen Exkursionsreader gut auf ihr Ziel vorbereitet.

Neben zahlreichen archäologischen Baudenkmälern warteten einige besondere Highlights auf die Gruppe: Dank persönlicher Vermittlung hatte sich der Trierer Althistoriker PD Dr. Christoph Rollinger bereiterklärt, im Trierer Stadthafen das originalgetreu nachgebaute römische Handelsschiff „Bissula“ vorzuführen, dessen Mittelmeerexpedition erst kurz zuvor durch die Medien gegangen war. Sein Vortrag gab Einblicke aus erster Hand in die theoretische und praktische Erforschung der antiken Schifffahrt an der Universität Trier.

Großen Anklang unter allen Exkursionsteilnehmer:innen fand auch die spannende Führung, die Jun.-Prof. Dr. Ferdinand Heimerl (Provinzialrömische Archäologie, Universität Trier) durch das (öffentlich derzeit nicht zugängliche) Ausgrabungsgelände im Untergeschoss der Konstantinsbasilika gab.

Ein Tag stand ganz im Zeichen der großen Sonderausstellung über den „Philosophenkaiser“ Marc Aurel und seine Zeit, gemeinsam ausgerichtet vom Rheinischen Landesmuseum und dem Stadtmuseum Simeonstift in Trier. Auf diese Ausstellungen hatten beide Gruppen durch Referate und Lektüre von Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ besonders intensiv hingearbeitet. 

Den krönenden Abschluss bildete eine Busfahrt in die weitere Moselregion: Neben kurzen Stippvisiten beim malerisch gelegenen gallo-römischen Tempelbezirk Tawern, dem Mosaik von Nennig und der Igeler Säule war das Hauptziel die Villa Borg: in römischer Zeit ein ausgedehnter Wirtschaftsbetrieb, wie er typisch für diese Gegend war; heute ein umtriebiger Archäologiepark mit einem auf den antiken Grundmauern rekonstruierten Gutshof. Hier konnte man der römischen Lebensart nicht nur in einer ausführlichen archäologischen Führung, sondern auch beim Mittagessen nach antiken römischen Rezepten (z.B. aus De re coquinaria, dem Apicius zugeschrieben) nachspüren.

Die Rückmeldung unter den Rostocker Studierenden bestätigte: Die Exkursion war ein voller Erfolg! Höher- und niedersemestrige Studierende wuchsen dank gemeinsamer Aktivitäten auch abseits des offiziellen Programms zu einer guten Gemeinschaft zusammen und nahmen viele fachliche Erkenntnisse und Erfahrungen mit nach Hause Für die Lehramtsstudierenden war die Fahrt zudem eine wichtige Berufsvorbereitung, denn Trier gehört zu den wichtigsten außerschuli­schen Lernorten Deutschlands und ist Ziel vieler Klassenfahrten. Ermöglicht wurde die Studienfahrt durch die finanzielle Unterstützung des Dekanats der Philosophischen Fakultät. Weitere Exkursionen sind in Planung. 

Berlin: Göttinnen, Gattinnen und reichlich Gips!

2024 fand die Oktoberexkursion am 2. November statt: Eine krankheitsbedingt etwas dezimierte, aber umso entschlossenere Gruppe von 9 Studierenden und 3 Lehrkräften fuhr unter Leitung von Prof. Dr. Nicola Hömke ein weiteres Mal nach Berlin.

Ziel des Vormittags war diesmal die Sonderausstellung „Göttinnen und Gattinnen – Frauen im antiken Mythos im Alten Museum (Antikensammlung). Jede:r Teilnehmer:in war mit einem Referat zu einer antiken Frauenfigur an der Konzeption des gemeinsamen, z.T. sehr phantasievoll gestalteten Readers beteiligt und führte vor Ort die Gruppe in die Besonderheiten des ausgestellten Objekts ein.

Nach dem inzwischen schon traditionellen Besuch im italienischen Restaurant „Da Vinci“ folgte der Ortswechsel hinüber nach Charlottenburg in die äußerst sehenswerte „Gipsabgusssammlung Antiker Plastik“ der Freien Universität Berlin. Die Führung durch Prof. Dr. Lorenz Winkler-Horaċek (einen ehemaligen Rostocker) erwies sich mit ihrer anschaulichen Einführung in die Technik des Gipsabgusses und die Geschichte der Berliner Sammlung sowie ihrer Auswahl eindrucksvoller Highlights als Volltreffer und regte zu zahlreichen Nachfragen und Diskussionen an.

Hinterher blieb gerade noch Zeit für einen Gang ins Buchparadies „Dussmann“ in der Friedrichstraße, bevor die Gruppe abends den Zug zurück nach Rostock nahm. Der Fakultät sei ein weiteres Mal für die finanzielle Unterstützung der Exkursion gedankt.

Im Oktober 2023 fuhren 15 Studierende und drei Lehrkräfte unter Leitung von Prof. Dr. Nicola Hömke auf Exkursion nach Frankfurt a.M. und Umgebung und damit eine Region, die seinerzeit zum Imperium Romanum gehörte.

Erste Station war das als Saalburg bekannte römische Kastell an der Reichsgrenzbefestigung, dem Limes. Seit 1897 wurde es in Teilen wieder aufgebaut und gibt somit einen Eindruck von der Größe und Bedeutung eines solchen Lagers. Eine kundige Führung durch die wichtigsten Bauten und das Museum mit zahlreichen Grabungsfunden und Rekonstruktionen veranschaulichte Lebenswelt und Kampftechniken der zeitweise bis zu 500 dort stationierten Soldaten.

Besonderen Anklang fand eine Präsentation zur römischen Kleidung, bei der mehrere Studierende selbst Zivilkleidung oder eine Kampfmontur anlegen konnten.

Ein weiteres Highlight des Saalburg-Besuches war das römische Mittagessen im Museumsrestaurant, das dankenswerterweise vom Verein „Rostocker Freunde der Altertumswissenschaften“ finanziert wurde. Ein anschließender Spaziergang führte zu den nahegelegenen Resten der Limes-Wallanlage.

Der Folgetag war der Ausstellung „Maschinenraum der Götter über antike Naturkunde und Technik gewidmet. Die Ausstellung im Liebieghaus zeigte an Originalfunden und Rekonstruktionen, welche technischen Innovationen und Visionen die Antike entwickelte. Dazu zählt beispielsweise Kaiser Neros Cenatio Rotunda – ein Gebäude für repräsentative Dinners, dessen Hauptraum sich mit Hilfe von Wasserkraft beständig um sich selbst drehen konnte. Dies wurde in der Ausstellung durch Modelle, Konstruktionszeichnungen und Ausgrabungsfotos veranschaulicht. Alle Studierenden hatten sich im Vorfeld über je eins der Ausstellungsstücke informiert, dazu einen Beitrag zum gemeinsamen Exkursionsreader verfasst und führten dann ihre Kommiliton:innen kundig vor Ort.

Mit dem Zug ging es anschließend zurück nach Rostock.

Berlin: Heinrich Schliemanns Leben und Werk und das antike Pergamon

Am 29.10.2022 war das Exkursionsziel von elf Studierenden der Latinistik und Gräzistik und drei Dozierenden die Museumsinsel in Berlin. Der Vormittag stand ganz im Zeichen des 200. Geburtstags des Namensgebers des Rostocker Instituts, Heinrich Schliemann: In der James-Simon-Galerie und im Neuen Museum erhielten die Teilnehmenden eine kundige Führung durch die Sonderausstellung „Schliemanns Welten über die Lebensstationen und die bleibende Bedeutung dieses Pioniers der Altertumsforschung.

Nach einem stärkenden Mittagessen (freundlicherweise vom Verein der Rostocker Freunde der Altertumswissenschaften finanziert), folgte ein Besuch im Pergamon-Panorama – einer Rekonstruktion der antiken kleinasiatischen Metropole Pergamon in Form eines 360°-Panoramas mit begleitender Präsentation ausgewählter Grabungsfunde aus Pergamon in einem mehrstöckigen Rundbau.

Das Panorama ist ein fotorealistisches Werk des Berliner Künstlers und Architekten Yadegar Asisi. In sein Werk hat er Anspielungen auf zahlreiche antike Skulpturen wie die „trunkene Alte“ oder den „schlafende Satyr“ eingearbeitet; diese zu finden, war Teil der Aufgabenstellung für die Studierenden.

Erstmals organisierte der Lehrstuhl Latinistik im Oktober 2021 – während der Corona-Pandemie – eine Exkursion für Studierende der Altertumswissenschaften zu Ausstellungen zur Antike – konkret zu einer Sonderausstellung zur Musik im Altertum und zum Pergamon-Panorama, beides in Berlin.

Musik, so verdeutlichte die Sonderausstellung „Klangbilder – Musik im antiken Griechenland der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin anhand von Ausgrabungsstücken und Rekonstruktionen, spielte im antiken Griechenland in allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Medienstationen boten zudem Hörbeispiele und zeigten in Videos, wie die antiken Instrumente gespielt wurden. Griechische und römische Texte zur Musik bot zudem ein Reader, der eigens für die Exkursion zusammengestellt worden war.

Nach einem Mittagessen besuchten die Exkursionsteilnehmenden dann das Pergamon-Panorama“ – einer Rekonstruktion der gleichnamigen antiken Metropole in Kleinasien in Form eines fotorealistischen 360°-Panoramas mit begleitender Präsentation ausgewählter Grabungsfunde aus der Stadt in einem mehrstöckigen Rundbau. Das Panorama wurde erarbeitet von dem Berliner Künstler und Architekten Yadegar Asisi. Es macht anschaulich, wie Pergamon seinen Anspruch als politisches und kulturelle Zentrum unter anderem durch aufwendigen Opferkult und durch Theaterveranstaltungen ausdrückte.